Mit rund 90 Gästen war die 26. Ausgabe des „Diplomatischen Salons – Die Welt zu Gast in Eberswalde“ am 8. Juli 2026 in der Eberswalder Stadtbibliothek erneut ausgebucht. Ehrengast des Abends war S.E. Kai Sauer, Botschafter der Republik Finnland. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Finnlands Sicherheitskonzept, die deutsch-finnischen Beziehungen sowie die Frage, warum Finnland seit neun Jahren als das glücklichste Land der Welt gilt.
Zu Beginn begrüßte der Vorsitzende der Hoeck-Stiftung, Martin Hoeck, die Gäste und betonte die Bedeutung des Diplomatischen Salons als Ort des unmittelbaren Austauschs zwischen Diplomatie und Bürgerschaft. Die Veranstaltungsreihe sei aus dem Wunsch entstanden, neben der Unterstützung des Hospizes Eberswalde auch einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum gesellschaftlichen Dialog zu leisten. Was einst mit knapp 40 Gästen begonnen habe, sei inzwischen eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Stadt Eberswalde geworden.
In seiner Begrüßung ging Hoeck auch auf die besondere Aktualität des Abends ein. Nur wenige Stunden zuvor war der NATO-Gipfel in Ankara zu Ende gegangen. Finnland ist seit seinem NATO-Beitritt im Jahr 2023 zu einem wichtigen Pfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur geworden. Gleichzeitig erinnerte Hoeck an Finnlands Spitzenplatz im World Happiness Report und zitierte eine Aussage des Botschafters aus einem Interview mit dem Tagesspiegel: „Glück ist letztlich eine Frage der Haltung.“
Unter dem Titel „Finnlands Rezept für Gesamtsicherheit“ stellte Botschafter Kai Sauer das finnische Modell der umfassenden Sicherheit vor. Er erläuterte, wie Finnland militärische Verteidigung, staatliche Institutionen, Wirtschaft, Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einem gemeinsamen Sicherheitsansatz verbindet. Dieses Modell stütze sich auf ein hohes Maß an Vertrauen in staatliche Institutionen, eine ausgeprägte gesellschaftliche Resilienz sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor.
Breiten Raum nahm auch Finnlands sicherheitspolitische Lage ein. Der Botschafter verwies auf die 1.343 Kilometer lange Grenze zu Russland, die strategische Bedeutung der Ostsee und der Arktis sowie auf die Rolle Finnlands innerhalb der NATO. Besonders eindrucksvoll schilderte er die Verteidigungsbereitschaft seines Landes mit allgemeiner Wehrpflicht, einer großen Reserve und hohen Investitionen in die Verteidigung.
Neben sicherheitspolitischen Fragen stellte der Botschafter auch die andere Seite Finnlands vor. Vertrauen, Gleichberechtigung, lebenslanges Lernen, eine funktionierende digitale Verwaltung sowie die enge Verbindung zur Natur seien wesentliche Gründe dafür, dass Finnland seit Jahren als glücklichstes Land der Welt gelte. Glück entstehe dort nicht durch spektakuläre Ereignisse, sondern durch stabile gesellschaftliche Rahmenbedingungen und gegenseitiges Vertrauen.
Im anschließenden moderierten Gespräch und der offenen Fragerunde nutzten die Gäste die Gelegenheit zu einem lebendigen Austausch mit Botschafter Kai Sauer. Besonders großes Interesse galt dem Vergleich zwischen Finnland und Deutschland, etwa beim Gesundheits-, Bildungs- und Rentensystem.
Daneben wurden auch Zukunftsfragen wie eine mögliche Bahnverbindung zwischen Berlin und Helsinki diskutiert. Der Botschafter erläuterte die Planungen für die europäische Bahnverbindung Rail Baltica sowie die langfristige Vision eines Eisenbahntunnels zwischen Tallinn und Helsinki, der Finnland künftig noch enger an das europäische Schienennetz anbinden könnte. Für einen heiteren Abschluss sorgte schließlich eine Frage aus dem Publikum zum finnischen Tango. Mit einem Augenzwinkern bestätigte Botschafter Sauer, dass der ursprünglich aus Argentinien stammende Tango in Finnland tatsächlich einen außergewöhnlich hohen Stellenwert genießt und dort vielfach als eine Art Nationaltanz gilt. So werden jedes Jahr sogar eine Tangokönigin und ein Tangokönig gewählt.
Martin Hoeck zog am Ende des Abends ein positives Fazit:
„Der Diplomatische Salon zeigt, dass großes Interesse an internationaler Politik auch außerhalb der Metropolen besteht. Unser Ziel ist es, Diplomatie erlebbar zu machen und über unterschiedliche Kulturen miteinander ins Gespräch zu kommen. Der große Zuspruch und die lebhafte Diskussion haben gezeigt, dass dieses Konzept aufgeht.“
Die Hoeck-Stiftung dankt dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Stadtbibliothek Eberswalde für die Unterstützung dieser Veranstaltungsreihe.
Fotos: Thomas Matena